EMS

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Equines metabolisches Syndrom

Artikel von PD Dr. Brigitta Wichert

 

Das Equine metabolische Syndrom scheint eine relativ „neue“ Krankheit bei Pferden zu sein – oder nur ein noch neuer Ausdruck für bestimmte Symptome. Ein metabolisches Syndrom ist auch beim Menschen und bei der Katze bekannt. Das EMS und seine Folgen könnten zu den Wohlstandkrankheiten gezählt werden, denn in Zeiten von wenig Nahrung, tritt es nicht durch Krankheitssymptome in Erscheinung.

Ach du dickes Pferd

 

Pferde und Ponys mit EMS fallen meistens damit auf, dass sie viel zu dick sind– entweder ganz generell oder sie zeigen eine unübliche Ansammlung von Fett u.a. am Kamm des Halses, und auf den Rippen. Zusätzlich kann bei klinischen Tests eine Hyperinsulinämie, d.h. eine hohe Ausschüttung an Insulin gemessen werden, da die betroffenen Tiere nur vermindert auf dieses Hormon reagieren. In vielen Fällen haben diese Pferde wiederkehrend akute Hufreheschübe oder aber eine subklinische, also nicht durch eine Lahmheit oder die typische Rehehaltung sichtbare, aber am Huf selbst erkennbare Hufrehe. Verschiedene Studien konnten für diese Symptomatik eine familiäre Häufung nachweisen, was einen genetischen Hintergrund vermuten lässt, der die Pferde oder Ponys dann anfällig auf eine Weidehaltung mit viel jungem Weidegras werden lässt. Allgemein sind Ponys, aber auch Rassen wie Morgans, Paso Finos, Norweger und Araber häufiger betroffen als Grosspferde.

Verwirrend kann es sein, dass eine verminderte Reaktion auf Insulin auch bei Pferden mit einer Fehlfunktion der Hirnanhangsdrüse, dem so genannten Cushing Syndrom vorkommt. Trotz ähnlicher Symptome ist EMS jedoch nicht mit Cushing Syndrom gleichzusetzen.

Vorsicht – weniger ist mehr

Wie soll ein Pferd mit EMS gefüttert werden? Das Wichtigste für Pferde mit EMS ist es, zu vermeiden, dass sie fettleibig werden oder dies bleiben. Da Hufrehe bei diesen Pferden am  häufigsten in Zusammenhang mit Weidegang auftritt, ist hier Vorsicht geboten. Besonders im Frühjahr, aber auch im Frühherbst, wenn nachwachsendes junges Gras mit hohen Nährstoffgehalten, insbesondere „leichtverdaulichen“ Kohlenhydraten zur Verfügung steht. Dann sollten gefährdete Pferde keinesfalls „rund um die Uhr“ auf der Weide gehalten werden. Die meisten EMS Pferde sind relativ „leichtfuttrig“, d.h. dass sie „vom Anschauen des Futters dick werden“ oder fachlich korrekt ausgedrückt, dass sie zur Erhaltung ihrer idealen Körperkondition weniger Energie benötigen, als andere Pferde mit gleicher Leistung. Um nun solche Pferde gesund zu erhalten, muss die Grasaufnahme beschränkt werden. Aber auch ohne Grasfütterung muss auf eine bedarfsgerechte Energiezufuhr geachtet werden. Bei manchen Pferden wird es schon schwierig, mit den für ausreichende Beschäftigung empfohlenen 1.5kg Heu je 100 kg Pferd (d.h. 6kg für ein 400 kg Pferd) eine schlanke Körperkondition zu halten. Kraftfutter oder Getreide ist erst dann zu empfehlen, wenn die Pferde wirklich so viel leisten müssen, dass sie ohne ein energiereiches Futter zu dünn werden würden – also zum Beispiel für ein Distanzpferd mit EMS. – Diese gibt es tatsächlich, sie haben aber in ihren aktiven Zeiten meistens keine Probleme mit dieser Veranlagung. Wenig genutzte Pferde oder Ponys benötigen neben Heu (oder Haylage) ggf. in Kombination mit Stroh nichts (außer einem Mineralfutter). Spezielle Futtermittel für Pferde mit EMS sind also im Allgemeinen nicht notwendig und in den meisten Fällen auch nur bedingt sinnvoll, da die Fütterung eines Kraftfutters mit Fett als Energiequelle an Stelle von Stärke viel Energie bietet und für ein zu Fettleibigkeit neigendes Pferd daher NICHT sinnvoll ist.

 Maßvoll füttern

Solange Pferde, die an equinem metabolischem Syndrom leiden, schlank gehalten werden und keine oder nur sehr wenig Weidehaltung haben, müssen sie auch nicht ständig an Hufrehe erkranken – sofern diese nicht bereits chronisch geworden ist. Das bedeutet wiederum, dass es das geeignete Spezial Futter für EMS-Pferde nicht gibt , sondern dass bedarfsgerecht, also mit Maß gefüttert werden muss!

I N S U L I N

Regelkreis des Blutzuckers

Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel, in dem es die Aufnahme von Zucker in Körperzellen stimuliert. Nach einer Mahlzeit, insbesondere, wenn diese reich an leicht verdaulichen Kohlenhydraten ist, steigt der Blutzuckerspiegel an. Daraufhin reagiert die Bauchspeicheldrüse mit der Ausschüttung von Insulin, das den Blutzuckerspiegel wieder senkt, indem es die Aufnahme des Zuckers in Zellen ermöglicht. Aber auch im Fett- und Aminosäurenstoffwechsel spielt Insulin eine Rolle, es hemmt z.B. den Fettabbau.

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