Pferde ausreichend versorgen

Pferde voll versorgen

Mit ausreichendem und pferdegerechtem Raufutter

Artikel von PD Dr. Brigitta Wichert

Für eine artgerechte und damit gesunde Pferdefütterung ist eine ausreichende Versorgung der Pferde mit kaufähigem Raufutter notwendig.

• Ausreichend Raufutter

Von Natur aus würde ein Pferd, um leben und sich fortpflanzen zu können, etwa 18 Stunden pro Tag (also pro 24 Stunden) „grasen“ und sich dabei langsam fortbewegen. Heute ist diese Art der Ernährung aus verschiedenen Gründen unmöglich geworden. Sport- und Arbeitspferde haben z.B. einen höheren Energiebedarf, dafür aber weniger Zeit zum Fressen, so dass die Versorgung mit der „ursprünglichen Nahrung der Pferde“ den Bedarf gar nicht mehr decken könnte.

In vielen Fällen sind auch nicht ausreichend Flächen vorhanden, als dass die Pferde Tag und Nacht auf der Weide gehalten werden könnten. Schliesslich darf auch nicht vergessen werden, dass die heutigen Weiden der ursprünglichen Futtergrundlage der Pferde in keiner Weise mehr entsprechen. Sie sind viel nährstoffreicher (hauptsächlich Energie und Eiweiss), so dass wenig gearbeitete Pferde, die ganztägig Weidegang haben, durch diese Art der Fütterung zu fett werden, was wiederum nicht gesund ist.

In der Praxis bedeutet dies, dass wenig gearbeitete Pferde häufig durch die hohe Nährstoffdichte des Grünfutters und Heus nur eine reduzierte Menge zugeteilt bekommen, damit sie nicht zu fett werden, wogegen Sport- und Arbeitspferde eine energiedichtere Mahlzeit benötigen und daher nur eine begrenzte Menge an Grün- und Raufutter, ergänzt mit Kraftfutter, also Getreide oder energiereichem Mischfutter, erhalten.

Neben diesen Einflussfaktoren (Energiebedarf der Pferde und Energiegehalt der Futtermittel), spielen bei Sportpferden aber auch noch andere „Bedürfnisse“ eine nicht unwichtige Rolle. So darf ein Pferd, das Kurzzeitleistungen wie Springen oder Rennen erbringt, möglichst keinen Gras- oder Heubauch haben, damit es möglichst schnell rennt oder leichtfüssig springt! Aus diesem Grund wird es häufig mit so wenig Raufutter wie möglich gefüttert- damit es nicht schwerfällig wird, aber gesund bleibt. Ganz im Gegenteil dazu bekommen „Langstreckler“, also Distanz- und Vielseitigkeitspferde viel Raufutter zugeteilt, da dadurch u. a. Wasser im Verdauungstrakt gespeichert wird, welches der Sportler auf der langen Strecke dringend benötigt.

 Egal ob, und wenn ja, in welchem Sport ein Pferd eingesetzt wird, muss die folgende Grundregel für eine pferdegerechte Fütterung eingehalten werden: 1 – 1.5 Kilogramm kaufähiges Raufutter pro hundert Kilogramm Körpergewicht des Pferdes müssen mindestens gefüttert werden.

• Pferdegerechtes Raufutter

Bei der Auswahl des Raufutters muss darauf geachtet werden, dass die angegebene Mindestmenge langfaserig und damit kaufähig ist. Dies führt zum einen zu einer erhöhten Speichelproduktion und somit zu einer Pufferung im Magen und beschäftigt außerdem das Pferd. Prinzipiell geeignet sind Heu und Stroh und bedingt Silage bzw. Heulage. Allerdings muss immer auf eine geeignete Qualität geachtet werden, so sollte „Pferdeheu“ möglichst grobstängelig und lang geschnitten sein.

Emd/Ömd/Grummet (?) „Zweiter Schnitt und folgende“ ist im Allgemeinen als alleiniges Raufutter zu weich und fein. Sowohl feines oder weiches Heu, wie auch feuchte oder kurz gehäckselte Silage decken das Kaubedürfnis von Pferden häufig nicht. Dies kann sich dann z.B. in so genannten Unarten der Pferde wie Anfressen von Holz oder auch Fressen von Erde zeigen. Beim Stroh muss man darauf achten, dass es nicht zu kurz geschnitten ist. Insbesondere ein hoher Anteil an Fasern <2 cm ist gefährlich, da die Aufnahme grösserer Mengen zu Anschoppungskoliken (Verstopfung) führen kann. In Bezug auf Koliken ist auch eine reine Strohfütterung (also ohne andere Raufutter) gefährlich! Dies ist vermutlich auf eine verminderte Verarbeitung der Strohfasern durch die Dickdarmbakterien zurückzuführen.

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