Qualitäts-Heu – Heuqualität

Qualitäts-Heu – Heuqualität

Artikel von Dipl.Ing.Agr\FH Maria Stahl

In letzter Zeit hatten wir bei der Kräuterwiese mehrere Anrufe besorgter Pferdehalter, Kunden mit viel Erfahrung.

Alle hatten Heu nachgekauft. In zwei Fällen rührten die Tiere das zugekaufte Futter gar nicht an oder suchten sich nur vereinzelte Halme herraus. Ziegen und Kühe nahmen dasselbe Heu allerdings mit gutem Appetit auf. Im dritten Fall fraß das Pferd von der neuen Charge und bekam Durchfall. Die Besitzerin gab dem Tier zunächst einmal Heu eines anderen Lieferanten. Der Durchfall hörte auf. Aber irgendwann sollte ja nun das „neue“ Heu verfüttert werden. Beim zweiten Versuch wurde das Tier noch heftiger krank als zuvor. Die Lieferanten waren von der guten Qualität des Heus jedoch überzeugt, einmal hieß es, dass die Lieferung „bestes Heu von extensiv bewirtschaftetem Grünland“ sei. Alle Anrufer beschrieben das angenommene Heu auch als hygienisch einwandfrei, d.h. trocken, grün, aromatisch, nicht staubig.

Diese Anfragen sind Grund, uns wieder einmal neu mit dem Thema Heu zu befassen.

1. Gedanke: Futtermittelhygiene

Bei solchen unschönen Berichten fragen wir uns natürlich zuerst, ob die „Futtermittelhygiene“ eingehalten´wurde, was bedeutet, dass Kontaminationen (Verseuchung/Verschmutzung) vermieden wurden, so dass dieses Heu für die Verfütterung an Pferde auch geeignet ist! – Die Hygiene schien in den oben erwähnten Fällen jedoch augenscheinlich nicht das Problem zu sein.

2. Gedanke: die Grundsubstanz des Heus

Viele Landwirte haben in den vergangen Jahren die Rindviehhaltung aufgegeben und vermieten nun ihre Ställe an Pferdebesitzer. Die Weiden, die jahrelang sehr intensiv bewirtschaftet wurden, um genug reichhaltiges Raufutter für die Wiederkäuer zu bekommen, werden nun nicht mehr gedüngt, weil ja Pferde darauf grasen, die keine Milchleistung erbringen müssen und das „fette“ Gras sowieso nicht vertragen. Dadurch magern diese Flächen aus und das Artenspektrum an Gräsern und Kräutern verändert sich, was zunächst wünschenswert erscheint, aber nicht unbedingt gut für Pferde sein muss.

Es können sich sogenannte „weiche“ Gräser, wie z.B. Windhalm, der sich durch die Getreideernte mittels Mähdrescher weit verbreitet, vermehrt ansiedeln. Dieser wird aufgrund seines geringen Ligningehaltes beim Kauen nicht richtig zerkleinert. Faserknäuel führen dann zu Engpässen im Verdauungstrakt und es kommt zu Koliken.

Pferde, die über ausreichend Futterinstinkt verfügen, fressen solches Heu nicht. Andere wiederum, unerfahrene Jungtiere oder solche, die zu früh von der Mutter getrennt wurden oder Tier, die unter Raufuttermangel leiden, nehmen es dennoch auf.

Mit Windhalm versetztes Heu erhält man auch, wenn landwirtschaftlich ungenutzte Ackerflächen abgemäht werden und das trockene „Grün“ von diesen Flächen als Heu verkauft wird. Ein anderer Grund für die veränderten Pflanzen im Heu mag in der Umwelt- und/oder Agrarpolitik liegen.

Der Landwirt bekommt Fördergelder, wenn er in der Lage ist, auf seinen Wiesen eine artenreiche Pflanzengesellschaft zu erzeugen, die 1-2mal im Jahr abgemäht wird und als solche Bestand hat. Aber weiß jeder Landwirt genau, welche Pflanzen auf seiner biologisch wertvollen Wiese giftig für Pferde sind und wie es sich mit ihnen nach der Heutrocknung verhält?

 3. Gedanke: Die Kunst der Heugewinnung

Wichtig war und ist:

1.) das Mähwerk sollte nicht tiefer als auf 10 cm eingestellt sein, (6 cm sind nach unserer Ansicht schon ein Kompromiss), damit nicht Sand oder Erde ins Heu gerät (Gefahr: Sandkolik bzw. Erdkeime).

2.) Günstiges Erntewetter muß abgewartet werden, – die heutige Erntewetter-Vorhersage ist da ein deutlicher Fortschritt zu den alten Bauernregeln – nötig ist es aber auch, die Geduld aufzubringen, mindestens 5 Tagen Sonnenwetter ab zu warten! – „Mähen kann man schon im Regen, wenn ein stabiles Hoch vorhergesagt wird,“ pflegt Gerd Brüning zu sagen. -

Natürlich wissen wir, dass das Nutzen des besten Zeitpunktes auch immer ein Organisationsproblem ist; aber je länger das Schnittgut am Boden liegt, um so größer ist die Gefahr der Kontamination (Verseuchung) u.a. mit Pilzen.

 

„Pilze“ führen uns zum Thema Rundballen, die ein Gewicht von 400 kg und einen Durchmesser von 1,20 m bis 1,80 m bei Heu haben können. Das Heu wird in ihnen mit unterschiedlichen Techniken in der Presse zusammengerollt, dann mit Bändern oder meist Netzen umwickelt und nach hinten herausgelassen.

Und dann?

Bleiben die Ballen auf der Wiese mit direktem Kontakt zum Boden liegen, so dass von unten Feuchtigkeit eindringen kann? Wie werden Sie abgedeckt – mit einer Folie, die dann übers Jahr von Tieren zerpickt, zerfressen oder vom Wind zerrissen werden? Heu fängt an zu verderben wenn es nicht ausreichend trocken ist oder Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnimmt, z. B. durch falsche Lagerung direkt am Boden oder an der Wand. Außerdem: Heu darf nicht im Stall gelagert werden, da die Tiere viel Feuchtigkeit in die Luft abgeben. (Gefahr auch durch Milben, Käfer, Insekten und Nager.)

Wir empfehlen hierzu im bereits oben zitierten Buch von Meyer/Coenen die S. 120 ff zu lesen.

Hinweise.

Heu aus Überschwemmungsgebieten birgt die Gefahr, dass es mit schädlichen Mikroorganismen (Salmonellen, Fäkalkeimen, etc), chemischen Substanzen (Dioxine, Furane, Nitrat/Nitrit oder Phospate) oder mit Schwermetallen kontaminiert wurde.

Der Versuch, auf gerichtlichem Weg einen Heukauf rückgängig zu machen, von Heu, das vom Käufer angenommen wurde, aber von den Pferden nicht akzeptiert wird oder sich als unbekömmlich erweist, hat sich als äußerst schwierig erwiesen.

Daher raten wir unseren Kunden: Wenn es Ihnen möglich ist, schauen Sie sich die Wiesen Ihres Lieferanten an!

Dazu eine Tabelle der richtigen Heubeurteilung im Buch Meyer/Coenen: Pferdefütterung 5. Auflage, S. 121.

Quellenhinweise: Meyer/Coenen. Pferdefütterung 5.Auflage, Kamphues: Vortrag FFP-Jahrestagung 2014 zum Thema Futtermittelhygiene,

Beispiele:

Die Herbstzeitlose ist trittempfindlich, deshalb auf beweideten Flächen kaum zu finden. Aber sie liebt die extensive Wiesenwirtschaft. Gerade im arten- und kräuterreichen Schwarzwaldheu findet man diese Pflanze in den letzten Jahren häufig. Ihre Blätter und die Fruchtstände bleiben, egal ob getrocknet oder siliert, lebensbedrohlich giftig. Das führt zu Appetitverlust, starker Speichelbildung, Kolik und Atemnot. Und einmal im Raufutter drin, kann man/Pferd vor allem die Samen nicht mehr aussortieren!

Adlerfarn und Sumpfschachtelhalm inaktivieren Vitamin B1. Schon bei geringen Anteilen im Heu fällt bei den Tieren Appetitlosigkeit, Übererregbarkeit, Verlangsamung der Herztätigkeit und allgemeine Schwäche auf.

Adonisröschen kommen auf kalkhaltigen Böden vor. Ihre giftigen Substanzen führen zu lokalen Reizungen an Maul- und Magen-Darm-Schleimhaut und Störungen der Herzfunktion.

Johanniskraut schädigt Zellen. Es treten Entzündungen auf. Durch eine besondere Sensibilisierung der Haut kommt es bei nicht pigmentierten Hautstellen zu Sonnenbrand.

Goldhafer führt bei massenhaftem Auftreten oder länger dauernder Aufnahme zu schweren Nieren- und Gefäßerkrankungen.

Das Jakobs-Kreuzkraut, das zu den gefährlichsten Giftpflanzen in Europa gehört, verbreitet sich explosionsartig und wird von vielen Pferden im jungen Stadium gefressen. Nach 6-7 Wochen entwickelt die Pflanze bittere Stoffe, die die Tiere riechen können und dann meiden. Durch die Trocknung gehen diese Bitterstoffe verloren, die Tiere können die Gefahr nicht mehr erkennen. Alle Kreuzkrautarten enthalten leberschädigende Substanzen. „Bei chronischer Aufnahme fallen Appetitlosigkeit, Abmagerung, Abgeschlagenheit, Benommenheit, teilweise (bei erheblichen Leberveränderungen) auch Erregungszustände, verbunden mit erhöhten Leberenzyamaktivitäten und NH3-Gehalten im Blut auf.“ (Meyer/Coenen: Pferdefütterung 5. Auflage)

All diese Pflanzen verlieren ihre Toxizität durch Trocknung nicht!

Eine weitere Gefahr, die früher für Heu nie erwähnt wurde, ist u.U. das Mutterkorn. Man kennt es vom Roggenanbau und weiß daher um seine Gefährlichkeit. Diesen giftigen Pilz findet man aber auch auf Süßgräsern. Bei der Getreideernte stellt das Aussortieren von Mutterkorn kein Problem da, bei der Heuernte wird es mit eingesammelt und bleibt drin!

 

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